Zur Person
„Musik ist heilsam.“ - Mit großer Sicherheit werden viele Menschen, die diesen Satz lesen, nicken und zustimmen. Denn auch wenn die Musik natürlich nicht alles kann, so nehmen Klänge doch enormen Einfluss auf unsere Stimmung, auf unser Unterbewusstsein und unsere Sinneserfahrungen. Kein Wunder also, dass die Musiktherapie ein zentrales medizinisches Element geworden ist, um verschiedenste Leiden zu lindern. Betätigt wird diese Annahme zum Beispiel von PD Dr. Susann Kobus, Musiktherapeutin mit Leib und Seele. Schon als junge Frau verschrieb sie sich der Musik, absolvierte ihren Schulabschluss an einem Musikgymnasium und studierte Klavier mit der Idee Konzertpianistin zu werden in Dresden und Köln. Nebenbei erteilte sie schon früh Klavierunterricht und kam dabei immer wieder mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt, denen die „Begegnung mit der Musik“ offensichtlich guttat. Auch mit körperlich beeinträchtigten Menschen arbeitete sie musikalisch und entschied sich daraufhin Musiktherapie in Münster zu studieren. Während dieser Zeit lernte Susann auch die musiktherapeutische Betreuung von Frühgeborenen kennen und fand diese Form der Behandlung äußerst faszinierend. Gerade die winzigen Signale, die von den Babys ausgehen, sobald ein Ton erklingt, beschreibt sie als berührend und einzigartig. Vor zehn Jahren fing Susann mit ihrer Arbeit auf der Kinder- und Frühgeborenenstation im Universitätsklinikum in Essen an. Hier begannen auch ihre Studien, die uns zeigen, dass die Musik nachweislich heilsam ist. Neben weiteren Instrumenten nutzt Susann mit Vorliebe die Hokema Sansula für ihre Behandlungen, da sie nicht nur handlich ist, sondern mit ihrem einzigartigen Klang eine Atmosphäre für die Kinder erschafft, die mit Worten nur schwer zu erklären ist.
Die Studie
Die Sansula ist bekannt für ihren einhüllenden Klang, gepaart mit der angenehmen Schwingung, erzeugt durch das Resonanzfell. Diese Klänge kommen dem Hörerlebnis im „Safe Space Mutterleib“ erstaunlich nahe. Am Universitätsklinikum Essen sprach sich Susanns Arbeit schnell herum. Begeisterte Eltern von behandelten Kindern und auch Kolleg:innen traten vermehrt an sie heran und baten um Termine. Schnell war klar, dass die Wirkung der Sansula auf die Frühgeborenen der Intensivstation auch wissenschaftlich belegt werden sollte, weil der Effekt einfach so faszinierend ist. So kam es zum Beispiel zu Studien mit extrem Frühgeborenen, die vor Vollendung der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Den Kindern wurde ab unmittelbar nach der Geburt bis zur Entlassung live Musiktherapie mit der Sansula dargeboten. Die positiven Effekte waren sofort sichtbar, denn es kam zu signifikanten Verbesserungen bei den Vitalparametern. Die Herzfrequenz und Atemfrequenz sanken während einer musiktherapeutischen Sitzung und die Sauerstoffsättigung stieg, auch im Schlaf.
Die Studien findest Du unter >hier<
Ein paar Fragen an dich, Susann…
a. Der Hörsinn gilt als erster entwickelter Sinn, ist das richtig? Wie und wann ist man auf die Idee gekommen, die Musiktherapie bei Frühchen anzuwenden?
Ja, das stimmt. Man kann sich vorstellen, dass alle Geräusche im Mutterleib sehr gedämpft wahrgenommen werden, eher wie eine Art Schallwellen. Das Baby kann den Herzschlag der Mutter wahrnehmen und darüber hinaus natürlich ein wohliges Rauschen, Darmgeräusche und später auch Töne von außen. Durch das Fruchtwasser wird aller Schall gedämpft und löst zunächst eine Art Schwingung aus. Die Sansula hat also durch ihr Resonanzfell einen ähnlichen Effekt. Die Töne werden durch Schwingungen begleitet, die sogar durch den Raum wahrnehmbar sein können. Diese Erinnerung an den geschützten Mutterleib wirkt sich offensichtlich positiv auf die Babys aus, wenn Herzschlag und Atmung sich nachweislich regulieren, während ihnen das Instrument ganz sanft vorgespielt wird.
b. Wie ist es zum Einsatz der Sansula gekommen, wie bist du auf diese aufmerksam geworden?
Ich nutzte immer schon verschiedene Instrumente wie Kalimbas, das Monochord oder eine Ocean Disc für die Musiktherapie auf der Frühgeborenenen- und Kinderstation. Aber viele Instrumente sind oft unhandlich und sperrig. Als ich die Sansula und ihren wunderschönen Klang entdeckte, war schnell klar, dass sie das perfekte Instrument für meine Arbeit ist. Sie ist handlich und wirkt wahre Wunder. Wenn man mit ihr neben einem Baby sitzt und spielt, fühlt sich das allein vom Größenverhältnis schon viel stimmiger an. Und die Wirkung des Klangs ist wie gesagt unübertroffen. Mittlerweile nutze ich sie seit bereits zehn Jahren für meine Arbeit.
c. Würdest du die Sansula als das am weitesten verbreitete Instrument in der Musiktherapie ansehen?
Es gibt eine ganze Reihe an Kolleg:innen und natürlich auch Student:innen, die sich sehr für meine Arbeit interessieren und ebenfalls absolut fasziniert von der Auswirkung der Sansula auf unsere kleinen Patienten sind. Daher verbreitet sie sich schon sehr weit. Leider wird die Musiktherapie noch nicht von den Krankenkassen finanziert. Noch immer sind wir auf Spenden und Finanzierungen angewiesen und freuen uns über Unterstützung bei der Stiftung Universitätsmedizin Essen. Aber je mehr wir an die Öffentlichkeit gehen, desto deutlicher wird, dass unsere Arbeit einen unglaublichen Effekt auf die Patient:innen hat, ganz gleich ob Frauenklinik, Neurologie, oder eben die Neonatologie. Und letztendlich ist es auch für die Kliniken entlastend, wenn Menschen schneller wieder guten Gewissens entlassen werden können oder auch im Klinikalltag schöne, wohltuende Momente erleben.
Die Sansula ist mit Sicherheit zu einem der wichtigsten Instrumente in diesem Bereich geworden. Ihre leichte Bespielbarkeit, die eigentlich keine Vorkenntnisse erfordert und sofortigen Effekt erzielt, ist einzigartig und, so muss man es einfach sagen, äußerst praktisch. Man kann sie einfach transportieren und sie ist auch für unterwegs geeignet. Ich nutze sie selbst außerhalb meiner Arbeit im privaten Umfeld, zum Beispiel mit meinen eigenen Kindern, sehr gern.
d. Ist es richtig, dass der Einsatz des Instruments während des Schlafs dazu führt, eine Atmosphäre zu schaffen, die jener im Mutterleib nahekommt?
Wie bereits erwähnt, erzeugt die Schwingung, welche durch das Resonanzfell ausgelöst wird, für eine Atmosphäre, die jener im Mutterleib ein wenig nahekommt. Wenn wir uns vorstellen, welcher Geräuschkulisse ein Frühgeborenes auf der Intensivstation ausgesetzt ist, dann können wir uns denken, wie wohltuend da ein schöner Klang ist. Wenn ich mit meinen Student:innen an der Uni-Klinik arbeite, bemerken auch sie schnell, wie laut eigentlich die Geräte rund um den Inkubator oder die Betten sind. Die Kinder hören unablässig das Piepsen und Rauschen der medizinischen Geräte. Diese können wir nicht ausschalten, das ist klar. Aber durch das Bespielen der Sansula kommt etwas Schönes hinzu. Die Kinder hören einen schönen Ton, gepaart mit der angenehmen Schwingung, die sie nachweislich wahrnehmen können. Unsere Studienauswertungen ergaben, dass sich die Werte der Kinder deutlich verbessersten und sie schneller in den Schlaf fanden.
e. Beim Einsatz während der Schwangerschaft, worauf ist zu achten und können Eltern auch nach dem Klinikaufenthalt mit dem Instrument weiterarbeiten und was macht der Effekt des Instruments mit der Eltern-Kind-Bindung?
Es ist unumstößlich, dass die Sansula eine Anschaffung für die gesamte Familie auch für die Zukunft ist. Bereits in der Schwangerschaft kann ihr Klang dafür sorgen, dass das Baby im Mutterleib schöne Klänge erlebt und sich entspannt. Achten sollte man allerdings darauf, sie nicht beim Spiel auf den Bauch aufzulegen. Die ausgelöste Schwingung überträgt sich durch das Fruchtwasser sehr intensiv und kann dann einen gegenteiligen und sogar negativen Effekt haben. Auf Abstand gespielt, ist sie eine phantastische Möglichkeit, dem Baby im Bauch etwas Gutes zu tun. Ist das Kind auf der Welt, eignet sie sich ausgezeichnet zur Beruhigung oder eben zur Regulierung des Atmens und der Herzfrequenz. Aber auch kerngesunde Kinder lieben den Klang und entspannen sich gern zum Klang des kleinen Instruments. Ich habe es auch schon oft erlebt, dass Kinder, die bereits älter sind, noch immer fasziniert von ihr sind und mittlerweile selbst spielen. Mir wurden schon sehr berührende Fotos von Eltern geschickt, auf denen ich Kinder die Sansula spielen sehe, die ich musikalisch auf der Frühgeborenen-Station begleiten durfte.
f. Was ist der erstaunlichste Effekt, den du beobachten konntest?
Einmal behandelte ich Zwillinge, die beide von Geburt an blind und taub waren. Monatelang waren die Babys bei uns auf Station und ich spielte immer wieder für die Kinder, obwohl mir klar war, dass sie mich wahrscheinlich gar nicht hören können. Wir dürfen aber die Schwingungen nicht vergessen, die von der Sansula ausgehen. Und so spielte ich wieder einmal für den einen Zwilling eines Tages und hielt mein Instrument ein bisschen über sein Bettchen. Plötzlich bewegte sich der zuvor völlig regungslose Arm des Kindes, über welchem ich den Ton anschlug. Solche Momente sind unfassbar berührend und einprägsam. Nur weil gewisse Sinne vielleicht nicht funktional sind, heißt es ja nicht, dass der ganze Mensch nicht funktioniert. Ich weiß bis heute nicht, was das Kind gefühlt hat. Aber es war ganz deutlich eine Reaktion spürbar. Allein dafür lohnt sich die harte Arbeit.
„Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.“ Franz von Assisi