Ein Bericht über den Musikunterricht mit Kathrin Bleschke
In der Grundschule Bad Fallingbostel treffen wir zahlreiche Kinder. Selbstverständlich, es ist ja eine Schule. Doch die Kinder, die hier zur Schule gehen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie kommen aus unterschiedlichsten Ländern, Kulturen und sozialen Strukturen. Klar, dass das auch die ein oder andere Herausforderung mit sich bringt, gerade wenn Sprachbarrieren und Neurodivergenz aufeinandertreffen oder die Kinder, die zum Teil schon bewegte Biografien mitbringen, nach einigen Schulstunden einfach keine Energie und Konzentration mehr übrighaben.
Die Grundschulmusiklehrerin Kathrin Bleschke setzt daher seit etwa einem Jahr die Kalimba gezielt im Musikunterricht ein – mit bemerkenswertem Erfolg. In ihren Klassen, die durch eine besonders heterogene und teils belastete Schülerschaft geprägt sind, suchte sie nach einem Weg, den Musikunterricht niedrigschwelliger, beruhigender und gleichzeitig fördernder zu gestalten.
Sie selbst lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern im Heidekreis und ist seit über 20 Jahren mit großer Leidenschaft als Musiklehrerin tätig. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zur Musik: Bereits in ihrer Kindheit und Jugend lernte sie Gitarre, sang in verschiedenen Chören und tanzte mit Begeisterung.
Nach ihrem Studium für das Grundschullehramt in Oldenburg und dem anschließenden Referendariat begann sie ihre berufliche Laufbahn an einer musikalisch geprägten Grundschule. Auch wenn sie Musik nicht als eigenes Studienfach belegte, war sie stets ihr persönliches Neigungsfach und prägt bis heute intensiv ihren Unterricht. Mit viel Engagement organisiert Kathrin Bleschke kleine Musicals und schafft es immer wieder, Kinder fürs Singen, Musizieren und Tanzen zu begeistern.
Auch privat spielt Musik eine zentrale Rolle in ihrem Leben: In ihrer Familie wird gemeinsam musiziert, und ihre Kinder treten bereits ein Stück weit in ihre Fußstapfen. Heute arbeitet sie an der Grundschule Düshorn und wird gelegentlich an die Grundschule Fallingbostel abgeordnet. Besonders schätzt sie die Arbeit mit ganz unterschiedlichen Kindern, die ihren Alltag immer wieder aufs Neue bereichert.
Bewegungselemente und praktisches Tun sind ihr dabei besonders wichtig. Die Kinder brauchen Abwechslung, Körpergefühl und Wohlfühlmomente, die ihnen Sicherheit, Struktur und Erfolgserleben bescheren.
Ihre Idee, die Kalimba in den Unterricht einzubauen, entstand nach einer Begegnung mit dem Instrument auf einer Frühjahrsmesse im Forellenhof, wo Kathrin Bleschke auf HOKEMA Kalimbas aufmerksam wurde. Ursprünglich als ruhiges Einstiegsritual gedacht, entwickelte sich die Kalimba für sie schnell zu einem festen Bestandteil des Unterrichts. Im Vergleich zum zuvor genutzten Glockenspiel überzeugt das kleine handliche Instrument durch seinen sanften Klang, die einfache Handhabung und eine positive sensorische Wirkung – besonders für hochsensible und neurodivergente Kinder.
Die Wirkung auf die Klassen ist deutlich spürbar: Die Kinder arbeiten konzentrierter, hören einander zu und begegnen sich mit mehr Wertschätzung. Selbst in herausfordernden Lerngruppen entsteht eine ruhige, kooperative Atmosphäre. Besonders eindrucksvoll ist dabei immer wieder, dass auch zurückgezogene oder sprachlich benachteiligte Kinder aktiv teilnehmen und Erfolge erleben. Für das Erlernen des Instruments sind die Sinne der Kinder gefragt, nicht unbedingt Sprachkenntnisse. Besonders erstaunlich und berührend sind zudem die Momente, in denen Kinder, deren Aufmerksamkeitsspanne normalerweise sehr gering ist, komplett in Klang und Spiel einsteigen und sich lange in das Bespielen des Instruments vertiefen. Der schöne Klang motiviert und lässt sie kleine Melodien erlernen, die erfolgreich vor der Lerngruppe präsentiert werden und dann auch in die Bewertung eingehen. Alle Kinder erfahren so ihr ganz persönliches Erfolgserlebnis. Mittlerweile haben einige Kinder durch die Arbeit mit dem Instrument schon solch ein musikalisches Gehör entwickelt, dass sie sofort hören, wenn mal eine der Zungen verstimmt ist und ein Ton nicht stimmt. Diese kleinen Momente sind ein Geschenk für die Musiklehrerin und sie weiß, dass ihre Arbeit Früchte trägt. Dadurch, dass die Zungen des Instruments mit den Notennamen beschriftet sind, lernen die Kinder mehr oder weniger automatisch die Tonleiter.
Neben musikalischen Fortschritten – wie eben dem Erlernen einfacher Melodien – zeigen sich vor allem soziale und persönliche Entwicklungen: gesteigertes Selbstvertrauen, bessere Zusammenarbeit und mehr Ausdauer. Die Kalimba wird so zu einem Instrument, das weit über den Musikunterricht hinauswirkt und Lernen ganzheitlich unterstützt.
Kathrin Bleschke wünscht sich daher, dass ähnliche Projekte und kreative Ansätze künftig stärker gefördert und in den Schulalltag integriert werden.
1. Wie reagieren die Kinder insgesamt auf das gemeinsame Musizieren mit den Kalimbas?
Die Kinder reagierten von Anfang an sehr wertschätzend und es ist eine Freude zu sehen, wie sehr sie sich über die Instrumente freuen und wie behutsam sie mit ihnen umgehen. Obwohl manche Klassen normalerweise eher unruhig sind, gibt es keinerlei Probleme oder Diskussionen, bevor wir spielen. Alle waschen sich vor dem Austeilen der Kalimbas anstandslos die Hände und die Schülerinnen und Schüler schaffen es, sich die Instrumente aufzuteilen und sich gegenseitig zuzuhören, dann zu tauschen und sich gegenseitig konzentriert wahrzunehmen.
2. Welche musikalischen Fähigkeiten oder Entwicklungen lassen sich seit Beginn des Projekts besonders beobachten?
Es zeigen sich deutliche Fortschritte in der Feinmotorik und im musikalischen Verständnis. Die Kinder lernen, einfache Melodien zu spielen, was insbesondere im Rahmen des Kerncurriculums der 4. Klasse gut gelingt. Im Vergleich zum Glockenspiel fällt ihnen der Zugang zur Kalimba deutlich leichter. Außerdem entwickeln sie ein besseres Rhythmusgefühl und die Fähigkeit, bewusst zuzuhören und sich musikalisch einzubringen. Die Kinder gehen sehr achtsam und verantwortungsvoll mit den Kalimbas um. Sie bereiten sich bewusst vor (z. B. Händewaschen) und behandeln die Instrumente vorsichtig – bislang ist keines beschädigt worden. Die Kinder sind oft hochkonzentriert, üben ruhig und lassen sich kaum ablenken. Ganz konkret lernen die Kinder kleine Rhythmusbausteine oder denken sich sogar Melodien selbst aus. Sie nutzen die Kalimba auch spielerisch oder als Begleitinstrument für Lieder. Der Einsatz ist sehr vielfältig und die jungen Musikerinnen und Musiker schätzen den Umgang mit dem kleinen Instrument sehr.
3. Gibt es Veränderungen im sozialen Miteinander während des Musizierens?
Ja, das soziale Miteinander verbessert sich spürbar. Die Kinder hören sich gegenseitig zu, zeigen Anerkennung durch Applaus und unterstützen sich aktiv beim Lernen. Es entsteht ein respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander. Zudem fördert das gemeinsame Musizieren Kooperation, Hilfsbereitschaft und Teamfähigkeit, denn auch Kinder mit sprachlichen, motorischen oder emotionalen Defiziten erzielen durch unsere Arbeit ganz tolle Erfolge.
4. Wie genau fallen Unterschiede zwischen einzelnen Kindern auf – und wie entwickeln sich diese?
Es sind Unterschiede sichtbar, insbesondere bei Kindern mit Sprachbarrieren, neurodivergenten Profilen oder sozial-emotionalen Herausforderungen. Allerdings entwickeln sich viele dieser Kinder positiv:
- Zurückhaltende Kinder beteiligen sich zunehmend aktiver.
- Kinder ohne Deutschkenntnisse können unabhängig von Sprache mitmachen und Erfolg erleben.
- Autistische oder hochsensible Kinder zeigen mehr Offenheit und Zuwendung.
Insgesamt profitieren gerade die Kinder besonders, die im klassischen Unterricht oft Schwierigkeiten haben.
5. Welche Wirkung haben die Kalimbas auf die allgemeine Lernatmosphäre und das emotionale Erleben im Unterricht?
Die Kalimbas haben eine deutlich positive Wirkung auf die Lernatmosphäre. Der Unterricht wird ruhiger, strukturierter und konzentrierter. Emotional erleben die Kinder Entspannung, Sicherheit und Freude. Gleichzeitig werden Selbstvertrauen, Motivation und Durchhaltevermögen gestärkt. Es entsteht eine vertrauensvolle Umgebung, in der sich die Kinder wohlfühlen und besser lernen können.