José Salgado und die Klangwelt der Sansula

Probenaufbau für Envelop mit Sansulas und Mikrofonen

Einblick in die Proben zu „Envelop“ für sechs Sansulas.

Vorstellung

Ob Filmmusik, Untermalung einer Installation oder ein intensives Klangbad für seine Zuhörenden schaffend - José Salgado merkt man die Leidenschaft für seine Projekte sofort an. Der portugiesisch-schweizerische Gitarrist und Komponist, der zwischen Zürich und Lissabon pendelt und arbeitet, hat sich bereits als Gründungsmitglied der Band Manteau auf renommierten Bühnen und Festivals in ganz Portugal einen Namen gemacht. Neben seinen Tourneen mit der Band verfolgt er auch Solo-Projekte, sowie vielfältige künstlerische Kooperationen.

Sein kompositorisches Schaffen reicht aber wie gesagt weit über die Bühne hinaus: Er schreibt Musik für Film, Dokumentar-, Kunst- und Contemporary Dance Projekte. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählen die experimentelle Animation „Lights, Haze“ (2024) sowie die Tanzproduktion „…e vi o céu“, die 2024 im Cineteatro Louletano uraufgeführt wurde. Derzeit vertieft José Salgado seine künstlerische Praxis im Masterstudium „Komposition für Film, Theater und Medien“ an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Kein Wunder, dass ein so vielschichtiger Künstler auch auf die kleine Hokema Sansula aufmerksam geworden ist. Diese nutzt er sehr gern für seine Kompositionen.

Gerade in diesem Jahr arbeitete José Salgado an einem neuen Werk für sechs Sansula-Kalimbas mit dem Titel „Envelop“, das im Mai in Zürich uraufgeführt wurde und weitere Aufführungen nach sich zieht. Parallel dazu entwickelte er dieses Projekt für Festivalpräsentationen in der Schweiz und in Portugal weiter, wobei die Komposition derzeit speziell für das Modell Sansula Basic entstand, perspektivisch jedoch auch die Einbindung der Varianten Renaissance und Deluxe geplant ist.

Interview mit José Salgado

José, erzähl uns doch ein wenig über deinen persönlichen Weg zur Musik und deine Arbeit als Musiker und Komponist.

Meine erste Begegnung mit Musik hatte ich durch die riesige Musiksammlung meines Vaters. Jede Woche ging er in ein Geschäft, um CDs zu hören und zu kaufen – von Rock über Klassik bis hin zu World Music und Lounge. Ich habe mich durch all diese Alben gearbeitet und entschieden, was in meine eigene – inzwischen digitale – Sammlung aufgenommen wird. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte ich auch die Gitarre, vor allem durch Aufnahmen von Jimi Hendrix.

Wann hast du angefangen, Instrumente zu spielen, und was fasziniert dich besonders daran? Gibt es ein Instrument oder einen Künstler, der dich besonders geprägt hat?

Ich habe mit etwa 13 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Was mich daran fasziniert, sind die unendlichen Ausdrucksmöglichkeiten – die Vielfalt an Klängen und Stilen, von klassisch über akustisch bis elektrisch, und die unterschiedlichen Emotionen, die man transportieren kann: Ruhe, Wut, Zufriedenheit oder Frustration. Die Gitarre ist unglaublich vielseitig. Ich selbst arbeite gern reduziert – statt viele Klänge zu schichten, konzentriere ich mich lieber auf einen oder zwei, um deren Qualität wirklich auszuleuchten.

Du lebst und arbeitest zwischen Zürich und Lissabon. Wie beeinflussen diese beiden Städte deine musikalische Sprache und deinen kreativen Prozess?

Die beiden Städte sind sehr unterschiedlich. Lissabon ist lebendig und chaotisch, Zürich dagegen klar strukturiert und funktional. Meine Musik bewegt sich irgendwo dazwischen: Ein Teil von mir arbeitet gern mit Struktur und klaren Zielen, während ein anderer einfach ausdrücken möchte, was im Moment wahr ist – unabhängig davon, ob es in ein Konzept passt oder nicht.

Die Verbindung zur Natur ist für mich sehr wichtig. Als Surfer spielt der Ozean in Lissabon eine zentrale Rolle – er gibt mir Ruhe und Orientierung. In Zürich habe ich diese Beziehung zum See noch nicht so stark entwickelt, aber die Alpen in der Ferne haben eine ganz eigene Kraft. Solche Perspektiven helfen mir, meinen Blick zu erweitern – auch kreativ.

Über deine Arbeit mit der Hokema Sansula

Wann hast du begonnen, mit der Sansula zu arbeiten, und was hat dein Interesse an diesem Instrument geweckt?

Ich hatte eine Performance - oder besser gesagt eine Installation - in Planung, bei der das Publikum von Musiker*innen umgeben ist, die alle dasselbe Instrument spielen. Dabei wollte ich mit minimalistischen, ineinandergreifenden Mustern arbeiten. Die Kalimba, insbesondere die Sansula, hat mein Interesse durch ihre kompakte Form sowie ihre historische und kulturelle Einbettung in gemeinschaftliche musikalische Praktiken und Rituale geweckt. Zusätzliche Impulse erhielt ich durch Ausstellungen wie „Afrosonica“ im Ethnografischen Museum in Genf sowie in einer immersiven Arbeit mit Mbiras im Museu Nacional da Música in Mafra.

Frage: Was reizt dich als Komponist an eher ungewöhnlichen oder experimentellen Instrumenten wie der Sansula?

Antwort: Mich fasziniert, dass ein so kleines Instrument einen so tiefen und reichen Klang erzeugen kann. Für mein Stück „Envelop“ ist die Sansula besonders interessant, weil sie gewisse Dinge einschränkt – etwa Harmonie und Melodie. Sie hat neun Töne, alle in A-Moll, und diese Begrenzung gibt mir Freiheit, mich stärker auf Rhythmus und Resonanz zu konzentrieren, insbesondere durch die Verwendung der Membran.

Frage: Dein neues Werk „Envelop“ ist für sechs Sansula-Kalimbas geschrieben. Was hat dich zu dieser Komposition inspiriert, und wie kann man sich die Arbeit damit vorstellen?

Antwort: Zum einen liebe ich den Klang der Sansula – tief, warm und beruhigend. Zum anderen trägt das Instrument eine Geschichte in sich, die mit Gemeinschaft, Spiritualität und Ritual verbunden ist. Diese Aspekte möchte ich spürbar machen, auch wenn sie nicht immer bewusst wahrgenommen werden.

Die Aufführung ist so angelegt, dass sechs Musiker*innen im Kreis sitzen und nach innen spielen, während das Publikum sich zwischen ihnen auf dem Boden befindet. Dadurch entsteht eine intimere Atmosphäre, in der die klassische Trennung zwischen Bühne und Publikum aufgelöst wird. Es geht weniger um ein Spektakel als um einen gemeinsamen, neugierigen Moment.

Frage: Gab es besondere Erlebnisse oder Momente mit der Sansula, die dir im Gedächtnis geblieben sind?

Antwort: Ich habe verschiedene Kalimbas ausprobiert, bevor ich bei der Sansula angekommen bin. Es gab keinen einzelnen besonderen Moment, aber ich erinnere mich gut an diesen „Aha-Moment“: ein simples Instrument, das gleichzeitig viele Möglichkeiten bietet – genau das, was ich für dieses Projekt gesucht habe.

Frage: Nutzt du die Sansula auch im privaten Kontext, etwa zum Experimentieren, Entspannen oder Meditieren?

Antwort: Neben „Envelop“ verwende ich die Sansula auch in der Musik für das zeitgenössische Tanzstück „Polvo de Añil“ von Liliana Torres, wo ich sie mit Elektronik kombiniere. Darüber hinaus nimmt das Instrument im Moment einen großen Teil meiner Arbeitszeit ein. Spannend finde ich vor allem, es in neue Kontexte zu setzen – etwa die Kalimba als Hauptstimme zu verwenden, ähnlich wie Violine oder Klavier in der westlichen Musiktradition.

www.josesalgadomusic.com

www.instagram.com/ze_salgado

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